Primary Care

Fertilitätsstörungen

Ein Kind zu bekommen ist für viele Paare und Frauen ein wichtiger Wunsch für die persönliche Lebensplanung. Viele Frauen erfüllen sich den Wunsch einer ersten Schwangerschaft heute sorgfältig geplant und auch später als in früheren Zeiten. Bei der Erstgeburt waren die in den 1960er Jahren geborenen Mütter durchschnittlich drei Jahre älter als die Mütter, die in den Jahren 1942–1946 geboren wurden. Diese Entwicklung setzte sich bis heute fort.

Nicht selten gehen einer erfolgreichen Schwangerschaft mit Geburt ein oder mehrere Versuche mit Abgängen in den ersten Schwangerschaftswochen voraus. Oder es fehlen Schwangerschaftszeichen, wie ein positiver Schwangersschaftstest trotz regelmässigem Ovulationsmonitoring und VZO (Verkehr zum Optimum).

Nicht selten führen die Aborte in der Frühschwangerschaft für die betroffenen Paare zu erheblichen psychischen Belastungen. Diagnostisch werden die Hormonsituation der Mutter, das mütterliche Gerinnungssystem, eine genetische Untersuchung des Paares, sowie eine Prüfung der Spermaqualität des Mannes (Spermiogramm) durchgeführt, um Fertilitätsprobleme zu erkennen und therapeutisch zu beeinflussen.

Eine zentrale Rolle bei der Schwangerschaft spielt jedoch auch das mütterliche Immunsystem, das auch einer Diagnostik unterzogen werden kann, um es dann therapeutisch zu beeinflussen.

Zunächst gilt es zu verstehen, dass die Eizelle für das Immunsystem der Mutter eine „Herausforderung“ ist: Die befruchtete Eizelle erfüllt die Kriterien eines Allotransplantates (Transplantat eines anderen Individuums derselben Spezies). Dies gilt sowohl für eine Schwangerschaft mit eigenen Eizellen, noch mehr jedoch bei Eizellspenden (engl. „egg cell donation“).

Das mütterliche Immunsystem muss eine Balance herstellen. Es kann zunächst nicht unterscheiden, ob es sich bei dem fremden Antigen in Form der befruchteten Eizelle um einen potentiell gefährlichen „Fremdkörper“ handelt, oder nicht. Das bedeutet: Das zelluläre Immunsystem verlässt sich auf Begleitumstände, die bei Kontakt mit dem fremden Antigen auftreten können oder unterbleiben. Man spricht dabei von sogenannten „Dangerous-Signalen“. Werden diese Signale verstärkt gebildet, so verringert sich die Fähigkeit des mütterlichen Immunsystems, die befruchtete Eizelle zu tolerieren. Die Folge kann ihr Verlust sein.

Das Toleranzsignal wird durch regulatorische T-Zellen erzeugt, die eine Subspecies der CD4+-Zellen darstellt. Regulatorisch bedeutet in diesem Fall, dass ein für die komplette Aktivierung erforderliches co-stimulatorisches Signal („Dangerous-Signal“) ausbleibt, das Immunsystem „switcht“ zu einer regulatorischen Antwort und toleriert die befruchtete Eizelle.

Bei Autoimmunerkrankungen (Hashimoto-Thyreoditis) oder bei Allergien kann der Grad „Dangerous-Signalen“ oder anderen Störgrößen erhöht sein. Das kann dazu führen, dass eine Toleranz gegenüber der Eizelle gar nicht entstehen kann (Fehlen eines positiven Schwangerschaftstests oder die Schwangerschaft wird häufig in den ersten 12 SSW beendet).

Deshalb kommt diagnostisch der Immunphänotypisierung, der Bestimmung der regulatorischen T-Zellen, pro und antiinflammatorischer Zytokine (Botenstoffe), der Immunglobuline sowie der Speichereisenreserve und des 25-OH-Vitamin-D eine besondere Bedeutung zu.

Insbesondere ein Eisenmangel kann über die Hemmung von Hämoxygenase-1 (HO1) einen negativen Effekt haben. Gleiches gilt für Vitamin-D, das einen positiven Effekt über die vermehrte Bereitstellung von regulatorischen T-Zellen hat.

Therapeutisch kann die immunologische Gesamtsituation optimiert werden, um die Chance auf eine verlässliche und dauerhafte Toleranzinduktion in der Schwangerschaft zu erhöhen.

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